Expedition Wattenscheid, 3. Termin – Input

Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine Zusammenfassung der Vorträge am 3. Seminartermin. Zum Ablauf des 3. Termins siehe hier.

Der Vortrag begann mit einer Einführung in das Ruhrgebiet aus planerischer Sicht. Dabei wurde die historische Entwicklung umrissen, die letztendlich bis heute die Gestalt des Ruhrgebiets beeinflusst. Eingegangen wurde auf das Ruhrgebiet vor der Industrialisierung, auf die Industrialisierung selber und auf den bis heute andauernde Strukturwandel. Dabei lag der Fokus insbesondere auf der räumlichen Gestalt des Ruhrgebiets und wie diese entstand. Die Prozesse und Entwicklungen konnten die Teilnehmer dem Input entnehmen und so die derzeitigen Entwicklungen und den Stand der Entwicklung besser nachvollziehen. Die geschichtliche Entwicklung der Region führte zur Herausbildung der heutigen räumlichen Struktur des Ruhrgebiets die von drei Elementen geprägt ist. Dies sind zum einen die Kerne, die die Urbanen Zentren der Städte darstellen. Die Adern die sich durch das Ruhrgebiet schlängeln und die Transportwege wie zum Beispiel die A40 darstellen und zu guter Letzt die inneren Ränder. Die inneren Ränder sind überall dort zu finden wo Freiraum stark verzahnt ist mit gebauten Landschaften und diese den Freiraum immer wieder durchschneiden.

Neben dem thematischen Einstieg über das Ruhrgebiet sollte auch das Planungssystem vorgestellt werden. Neben des formellen Rahmens des Planungssystem sollte aber auch Planung vorgestellt werden wie sie heute gedacht wird. Dabei ist entscheidend das Planung heute insbesondere in Prozessen gestaltet wird in denen auf Grundlage von wissenschaftlichen Methoden geplant werden soll. Grundlegend wird dabei aber meistens in folgenden sehr vereinfachten Schritten gedacht:

ANALYSE

Die Analyse ist der erste Schritt hin zu einer städtebaulichen Planung oder anderen Planungen. Unter Einbeziehung der Ziele werden unter Mithilfe von wissenschaftlichen Methoden die verschiedensten Charakteristika eines zuvor abgegrenzten Raumes bestimmt und analysiert. Dabei werden die Schichten der Stadt untersucht. Je nach Aufgabenstellung, Zielen und Anlass werden diese unterschiedliche tief analysiert. Neben der Versorgungsstruktur (Handel-, Bildungs-, Sozial-, Kultureinrichtungen), kann die Verkehrsstruktur (ÖPNV etc), Freibereiche (versiegelte und unversiegelte Flächen also Parks, öffentliche Räume etc), Gewerbe- und Industrieareale untersucht werden. Nach der Analyse werden möglicherweise die Ziele noch angepasst werden da ein neuer Kenntnisstand über den Raum vorliegt.

ZIELFINDUNG

Auch wenn die Analyse schon unter bestimmten Aspekten stattfindet, kann eine Entscheidung über das was passieren soll in der Zukunft, erst mit den entsprechenden Informationen geleistet werden. Dabei können diese zum Beispiel lauten die Stadt der kurzen Wege zu verwirklichen, Wohnraum zu schaffen oder bestimmte Punkte in der Stadt besser zu verbinden.

UMSETZUNG

Danach werden die Maßnahmen den Zielen entsprechend aufgestellt. In der Realität werden diese in einem Rahmenplan verortet. Konkret werden dann die Ziele durch das herunterbrechen auf bestimmte Maßnahmen versucht zu erfüllen. Lautet das Ziel zum Beispiel die Stadt aufgrund hohem Verkehrsaufkommens attraktiver zu gestalten, könnte in dem Rahmenplan auftauchen bestimmte Straßen zu beruhigen oder Fahrradwege auszubauen.

Aktuelle Themen der Stadtentwicklung

Im folgenden Teil wurde die Geschichte der Stadtplanung kurz angerissen um verstehen zu können warum Planung handelt wie sie heute handelt. Denn viele der heutigen Gesetze und Prinzipien wurden in einer Zeit entwickelt in denen Städte eine völlig neue Form annahmen. Dafür sorgte insbesondere die Industrialisierung. Diese förderte eine Land-Stadt Bewegung die die Verhältnisse in den Städten zu Katastrophalen Zuständen veränderte. Aus diesen Zuständen entstand die soziale Frage die auch die Wohnungssituation, die hygienischen Missstände und die Emissionsbelastung durch die Industrie in den Städten hinterfragte.

Eine direkte Antwort auf diese Missstände war eine Stadt in denen die grundlegenden Funktionen der Stadt Wohnen, Arbeiten, Erholung und Verkehr, räumlich voneinander getrennt werden sollten. Diese in der Charta von Athen 1933 verankerte Leitidee beeinflusste nachhaltig die moderne Stadtplanung. In der heutigen Gesetzgebung findet sich diese Charte bis heute wieder in der Form, dass in Wohngebieten eine andere Nutzung als Wohnen nur in seltenen Ausnahmen zulässig ist.

Neben diesem radikalen Bruch mit der „alten Stadt“, gab es immer wieder sich ändernde Leitbilder die die Stadtplanung beeinflussten. So wurde kurz nach Kriegsende in den 1950er Jahren die Autogerechte Stadt eingeführt bei der besonders wert, auch unter Einfluss der Charta von Athen, das Auto einen vorrangigen Stellenwert in der Stadtplanung bekam. Dies äußerte sich in dem verbreitern von Straßen und der Schaffung von Parkplätzen in den Städten. Besonders im Zuge des Wiederaufbaus der Städte nach dem 2 Weltkrieg wurden vielfach die Stadtgrundrisse neugestaltet, in dem breitere Straßen schon im Vorhinein geplant wurden.

In den 1960er Jahren wurde  besonders auf die Suburbanisierung gesetzt und damit auf ein flächiges Wachstum der Stadt. Daraufhin folgte die Flächensanierung. Diese wollte durch Abriss der „alten Stadt“ moderne Quartiere schaffen in denen die Trennung der Funktionen vollendet werden. Charakteristisch für diese Zeit waren Hochhaussiedlungen die zum Teil auf den Arealen von alten Siedlungen gebaut wurden. So wurde die Hochaussiedlung in Duisburg-Hochheide auf der Fläche einer alten Zechensiedlung gebaut die für den Neubau abgerissen worden ist.

Nachdem durch die drei Leitbilder auch wiederum zahlreiche Probleme auftraten wie zum Beispiel unwirtliche Innenstädte durch ein viel zu hohes Verkehrsaufkommen und leblose Innenstädte, veränderte sich die Stadtplanung wieder hin zu einer Planung die das Bestehende und die historisch gewachsene Stadt mehr einbezog und eine Stadtplanung ermöglichte die näher an den Bedürfnissen der Menschen plant.

Mit der Charta von Leipzig 2007 wurde diesem Wandel Rechnung getragen. Die unter integrierende Stadtentwicklung genannten Änderungen beinhalteten eine Entwicklung in die alle städtischen Akteure miteingebunden werden, fachübergreifend gehandelt wird sowie Nachhaltigkeit und Umweltschutz in den Mittelpunkt gerückt wird. Als Leitbild für die Gestalt der Städte dient dabei die kompakte europäische Stadt. Diese beinhaltet eine Nutzungsmischung der vorher getrennt gedachten Nutzungen und „kurze Wege“ bei denen Autos eine untergeordnete Rolle spielen.

Die Gründe für die Renaissance der Städte sind sehr facettenreich. Durch die wirtschaftliche Entwicklung finden sich immer mehr Arbeitsplätze in den Städten. Dies ist dabei nicht nur ein Trend in Deutschland sondern ein in unserer globalisierten Welt überall vorzufindender Trend. Zum ersten Mal leben mehr Menschen in Städten als auf dem Land und damit ist das 21. Jahrhundert das Jahrhundert der Städte. Neben der ökonomischen Entwicklung tragen aber auch die Auflösung der traditionellen Geschlechterrollen, der demographische Wandel dazu bei, dass Städte wieder einen Trend der Reurbanisierung erfahren.

Mit dem Trend der Reurbanisierung finden alte Strukturen wieder neuen Anklang. Die hohe Bedeutung des Historischen für die Identifikation mit der Stadt, eine Nutzungsmischung von den vier Stadtfunktionen um kurze Wege zu ermöglichen, eine hohe bauliche Dichte um dem Flächenverbrauch zu verringern um den Erhalt von Freiflächen zu sichern und öffentlichen Raum zu erhalten. Denn dieser steht in Gefahr von Entwicklungen wie der Privatisierung Kommerzialisierung zurück gedrängt zu werden. Dabei erfüllt dieser wichtige Funktionen in einer Gesellschaft als Treffpunkt im Freien, zur sozialen Interaktion und öffentlichen Plattform.

Beim Verkehr wird darauf geachtet nun intermodal zu denken. Dies bedeutet verschiedenste Verkehrsträger zu mischen und in einen integrierten Plan mitzudenken. Dabei gilt es nicht nur neue Verkehrsträger zu etablieren sondern vielleicht auch die städtebauliche Entwicklung den vorhandenen Stationen des ÖPNV anzupassen. Durch eine kompaktere Stadt kann dadurch auch die Nahmobilität (Fuß- und Radverkehr) gefördert werden.

Als besonders interessant für die Teilnehmer  wurde auch das Thema des Einzelhandels aufgenommen. Dabei wurde die historische Entwicklung beleuchtet von dem Marktplatz als Ausgangspunkt für Stadtgründungen über Tante-Emma-Läden zu den ersten Supermärkten. Dabei wurden die entscheidenden Einflussfaktoren herausgearbeitet wie zum Beispiel der Einfluss des Autos und Kühlschranks auf die Entwicklung des Einzelhandels aber auch momentane Entwicklungen wie die Filialisierung und Discountisierung, Eventisierung und mögliche Auswirkungen des Online-Handels.

Abschließend wurden unter dem Motto „Stadtentwicklung von unten“ verschiedene Beispiele für Leerstands-Umnutzungen, Urban Gardening und der Schaffung von Treffpunkten im Straßenraum gezeigt und diskutiert. Mehr Informationen zu Leerstands-Umnutzungen gibt es unter https://stadtbaukultur-nrw.de/publikationen/studien-dokumentationen/gute-geschafte-was-kommt-nach-dem-einzelhandel/.

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