Expedition WAT II: Die Expedition geht weiter

Die Expedition Wattenscheid ist nun wieder auf Reise. Diesmal wollen wir Wattenscheid nicht nur erkunden, sondern tatkräftig mit anpacken. Gestern Abend fand mit unserer Auftaktveranstaltung eine Einführung in die Thematik: „Grünflächen und Stadt“ statt und es wurden erste Ideen der BürgerInnen gesammelt.

Der Termin begann mit einem Rückblick auf die vergangene Expedition, die im Oktober und November letzten Jahres stattfand. Dort wurde Wattenscheid erkundet und verschiedenste Themen kamen zur Aussprache um in den Diskurs über die Zukunft Wattenscheids einzusteigen. Ergebnis der ersten Expedition war eine Ideen- und Themensammlung. Inhalt war die Innenstadtgestaltung, graue Fassaden, Leerständeund Brachflächen aber auch die Diskussion über Orte zum Treffen. Die Ideen und Anregungen wurden mitnach Hause genommen und flossen in die Planungen der zweiten Expedition.

Während der Planung für die nächste Expedition haben wir dann Jonas und Martyna kennengelernt,die gemeinsameinen Gemeinschaftsgarten gründen möchten. Wir waren sehr beeindruckt vom Engagement der beiden und haben beschlossen das Thema aufzunehmen und es für die jetzige Expedition zu vertiefen. Denn ein Gemeinschaftsgarten ist nicht nur ein Ort an dem sich Menschen treffen, sondern auch ein grüner Flecken Erde, der die Innenstadt lebenswerter macht. So wird das Thema aus der ersten Expedition aufgegriffen.

Somit ist das Ziel für die Expedition Wattenscheid Urbanes Gärtnern – Innenstadt Grün gestalten Wissen über die Grünflächen in urbanen Gebieten und Stadtplanung zu vermitteln, aber auch Martyna und Jonas sollen tatkräftige Unterstützung bekommen. Vielleicht finden sich dann auch engagierte UnterstützerInnen die langfristig Martyna und Jonas helfen wollen. Wir wollen bald auch ein Interview mit den beiden hier veröffentlichen. Sie können am besten von ihrer Begeisterung fürs gemeinsame Gärtnern erzählen.

Wie schon in der letzten Expedition wollen wir aber auch Einblicke in die Profession des Stadtplaners geben. Dies hat bei der letzten Expedition zu angeregten Diskussionen geführt und bringt eine wissenschaftliche Perspektive in die Expedition. Der Input ist hier in einer Zusammenfassung einzusehen.

 

 

Zurück zu Wattenscheid! Viele Orte gilt es da zu entdecken und neu zu bewerten. Acht interessante und sehr unterschiedliche Orte haben wir ausgewählt und präsentiert, teilweise wurden sie uns von Wattenscheider BürgerInnen vorgeschlagen oder bereits bei der Expedition Wattenscheid I besucht.

 
Im nächsten Schritt wurden die BürgerInnen dann selbst aktiv und analysierten mit unserer Unterstützung eine Auswahl der präsentierten Orte mit folgenden Fragestellungen:
Was kann man hier realisieren?

Welche Ressourcen sind vorhanden?

Was benötigen wir um dies realisieren zu können bzw. woher bekommen wir es?

Insgesamt wurden vier von acht Orten von 2 bis 3 Personen ausgewählt und bearbeitet. Während der Analyse ist vielen TeilnehmerInnen aufgefallen, dass die scheinbar bekannten Orte dann doch nicht mehr so präsent waren, wie zuvor gedacht. Somit wurde der anfangs, als Hundewiese wahrgenommene Ort, zum ersten Mal neu gesehen und neu interpretiert.

Es sind gerade die kleinen Orte, die gerne mal aus unserer Wahrnehmung entgleiten und dann ganz überraschend wieder ins Blickfeld geraten. Hier nun die ausgewählten Orte und in ihre Analyse:

Pfarrgarten:

Er gleicht einem verwunschenen Ort, der aus unerfindlichen Gründen wohl von der Außenwelt noch verschlossen bleiben muss. Der Pfarrgarten ist der Propsteikirche St. Gerdrud von Brabant angegliedert, komplett umzäunt und verschlossen.

Der Pfarrgarten bietet halbkreisförmige Sitzgelegenheiten und ist umgeben von hohen schattigen Bäumen. Hochbeete zur Bepflanzung von Gemüse sind für diesen Ort nicht geeignet, zudem gibt er bereits eine Form vor, die über einen Steintisch in der Mitte definiert wird. Kleine Blumen- oder Kräuterbeete, die sich im Halbschatten wohlfühlen, könnten diesen schönen Ort sehr bereichern. Die Abgeschiedenheit des Ortes ermöglicht kleine Veranstaltungen im privaten Rahmen, beispielsweise eine Taufe oder aber der kleine Umtrunk nach der Hochzeit. Ein Künstlergarten in Kooperation mit dem Kunstkreis Wattenscheid e.V. könnte den Pfarrgarten in einem ganz anderen Licht präsentieren, kleine Lesungen oder andere Präsentationen unterstützen…. Damit der Raum auch von den BürgerInnen besucht werden kann, könnte er während der Öffnungszeiten der Kirche zugänglich gemacht werden und am Abend wieder vor Vandalismus geschützt und geschlossen werden.

Beispiel:

Skulpturengarten Wilfried Hagebölling in Paderborn-Sennelager
http://www.wilfriedhageboelling.de/page/skulpturengarten_1.html

Kunst- und Heidegarten Lauheide
https://www.kunstgarten-lauheide.de

Der Durchgang zur Hagenstraße:

Ein voran gelagerter Platz ist mit einigen „Zweisitzern“ und schattenspendenden Bäumen ausgestattet, die restliche Fläche ist komplett gepflastert. Vom Platz aus gelangt man über einen großzügigen Durchgang zwischen zwei Gebäuden zur Hagenstraße. Der Platz zum Durchgang ist geschützt und besitzt eine besondere Qualität, die bis in den Durchgang zur Hagenstraße reicht. Der scheinbar anonyme Raum könnte neu erobert und gestaltet werden. Neben neu angelegten Hochbeeten (Pflanzkästen), Begrünung bzw. Ranken am Geländer und der Bearbeitung der Baumscheiben, könnten die bereits vorhandenen Sitzbänke ebenfalls neu interpretiert werden. Der Platz mit dem Durchgang ist nach außen hin geschützt und könnte für interessante Aktivitäten, wie z.B. für einen BürgerInnenflohmarkt oder kleinen Bürgerfesten genutzt werden. Für die Hochbeete oder andere bearbeitete Bereiche wird die Nachbarschaft benötigt, um diese im Auge behalten oder direkt pflegen zu können.

Friedenskirche:
Mitten in der Innenstadt, umgeben von Geschäften, präsentiert sich die Friedenskirche in voller Pracht. Rundherum ist nahezu alles gepflastert, lediglich an vereinzelten Stellen zieren Bäume mit ihren Baumscheiben die Fläche. Der Eingang ist sehr repräsentativ und in guter Beobachtung. Gerademal wenige Meter ist die Friedenskirche vom nächsten Hochbeet am Jugendtreff Heroes entfernt – eine wunderbare Synergie und zugleich eine Möglichkeit der Kooperation mit einem weiteren Hochbeet. Wie weit die Fläche um die Kirche herum im Besitz der Kirche ist, gilt herauszufinden. Der Eingangsbereich ist hell, weitläufig, sehr gut sichtbar und eine mögliche Aufwertung des besagten Bereichs. Eine Patenschaft für das Hochbeet könnte die regelmäßig erforderliche Pflege sichern und zudem einen möglichen Nutzen für den Paten selbst bieten.

 

Grünfläche Ecke Bahnhofstraße/Westenfelder Straße:

Eher unscheinbar und primär als Hundewiese genutzt – so präsentiert sich die Fläche als grünes Dreieck. Ein schmaler Weg, gepflastert mit Betonsteinen führt quer bis zum Ende der Fläche – quasi ins Nichts. Teilweise begrenzt mit Stromkästen und zu zwei Seiten hin mit großen Werbetafeln ausgestattet, bietet das grüne Dreieck dennoch eine sehr gute Zugänglichkeit für die Nachbarschaft und eine Möglichkeit der Kommunikation nach außen.

Eine scheinbar okkupierte Hundewiese muss nicht wie eine solche aussehen und schon gar nicht wie diese behandelt werden. Dieses grüne Dreieck ist das wahrscheinlich traurigste und zugleich interessanteste Dreieck seit es Toblerone gibt! Nein im Ernst, die Fläche bietet in vielen Richtungen die Möglichkeit einer neuen Art der Kommunikation, gerade in Hinsicht Grünflächen. Greift man die Sichtachse der Westenfelder Straße (Fußgängerzone) auf, so könnte der Blick auf ein Hochbeet Interesse wecken und zwischen all dem Grünen hervorstechen. Auch die Umgebung spielt eine Rolle, eine Sitzbank, ein Mülleimer und das Hochbeet sind das eine, aber die Gestaltung der beiden Stromkästen unterstützen den neuen Ort und könnten ihm mehr Identität geben. Für die Existenz eines Hochbeetes werden Paten benötigt, die Nachbarschaft könnte einige Paten hierfür bieten.

Mit Ende des ersten Termins erhielten wir vier, von den Wattenscheider BürgerInnen, analysierte Orte, jedoch auch viele neue Fragen nach Ideen und Ressourcen, sodass wir beschlossen dies im zweiten Termin am 21. April fortzusetzen. An dem Termin werden wir auch die Hochbeete bauen. Also herzliche Einladung zum kommenden Termin!

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