Input: Grünflächen und die Stadt

Die Stadt und Land sind die zwei großen Pole in unserem Verständnis von Landschaft. Dabei sind Grünflächen in der Stadt von großer Wichtigkeit. Dabei geht es nicht nur um die gestalterische Qualität und die klimatischen Funktionen, sondern auch um soziale Aspekte. Grünflächen waren schon immer auch Treffpunkte und soziale Interaktionsräume. In dem Input wollten wir Grünflächen aus der Sicht von StadtplanerInnen beleuchten und ihre unterschiedlichsten Funktionen erklären. Dazu gab es auch Fotos von Grünflächen, die, die Dozenten rund um den Globus besucht haben. 

Grünflächen waren nicht immer von Bedeutung in der Stadt. Lange Zeit waren sie Platzverschwendung in mittelalterlichen Städten da Stadtmauern teuer waren. Alle Nutzungen die nur bedingt schützenswert waren, wurden außerhalb der Stadtmauern angesiedelt. Auch durch das gesellschaftliche Verständnis von Natur und Stadt hatten Grünflächen keine hohe Bedeutung. Denn Natur war lange Zeit das unbezähmbare Wilde, während die Stadt das Refugium der Menschen war, in dem sie Schutz suchen konnten.

Dies änderte sich mit dem Einsatz von Kanonen und Schwarzpulver. Durch diese wurden Stadtmauern nutzlos und auf den geschliffenen Bollwerken entstanden Boulevards, Alleen und die ersten Stadtparks. 

Mit der Industrialisierung und der Urbanisierung entstanden in den Städten unmenschliche Verhältnisse die zur sozialen Frage führten. Zu wenig Wohnraum, beengte Verhältnisse und eine katastrophale sanitäre Situation machten die Städte zu lebensunwerten Orten. Zudem verpesteten Fabriken und Eisenbahnen die Luft. Stadtplaner forderten städtisches Grün um die Situation zu lindern, der Arbeiterklasse Orte der Erholung anzubieten und vor allem Verhältnisse zu schaffen in denen gesundes Leben möglich ist.

Planer entwickelten dabei Idealstädte,um Antworten auf die soziale Frage zu finden. Idealstädte finden heute in der Planung eigentlich keine Verwendung mehr. Sie stellten sich in der Vergangenheit als zu realitätsfern raus und entfernten sich zu weit weg von den Lebensrealitäten der Menschen. Doch sie boten bei der Analyse der sozialen Frage Ansätze,um Lösungen zu finden.

„Es sind die Menschen, welche die Parks lebendig und funktionsfähig machen! Oder auch zu Verfall und Sinnlosigkeit verdammen, wenn sie ihnen das Leben entziehen.“ 

Jane Jacobs in ihrem Buch „Tod und Leben großer amerikanischer Städte“

Eine dieser Idealstädte ist die Gartenstadt von Ebenezer Howard. Er stellte sich eine zentrale Stadt vor, um die sich Satellitenstädte anordneten. Überschreitet eine Stadt eine bestimmte Einwohnerzahl, so wird eine neue Satellitenstadt gegründet. Wird eine bestimmte Anzahl an Satellitenstädten erreicht so wird anderswo eine neue Kernstadt mit neuen Satellitenstädten gegründet. So sollte den beengten Verhältnissen in den traditionellen Städten begegnet werde.

Die Städte nach den Vorstellungen von Howard umzugestalten hätte viele Ressourcen verschlungen und Menschen hätten umgesiedelt werden müssen. Anstatt diese Idee großflächig umzusetzen, wurden kleinere Arbeitersiedlungen nach den Vorstellungen von Howard gebaut. So wie die Siedlung Margarethenhöhe in Essen.

Dies soll verständlich machen, dass Ideen in der Stadtplanung grundsätzlich einen Diskurs benötigen um den Ideen am Zeichenbrett einen Realitätscheck zu unterziehen.

Nach einem kurzen historischen Exkurs, wurde der Fokus dann konkret auf das Ruhrgebiet gelegt. Die Gestalt des Ruhrgebiets als Metropolregion sieht dabei anders aus als vergleichbare Agglomerationsräume wie London. Während sich die Struktur Londons um den urbanen Kern der Altstadt gruppiert, hat das Ruhrgebiet mit seinen unterschiedlichen Städten mehrere Kerne, die durch Verkehrsadern (A40; A42; Bahntrassen) verbunden sind, aber es sich kein zentraler Kern herausbildet. Aufgrund dessen wird das Ruhrgebiet auch als Polyzentrale Region bewertet. Auf Luftbildern ergibt dies ein Mosaik aus unterschiedlichen Nutzungen. Dazu gehören auch Grünflächen die sich auf den ersten Blick wahllos zerstreut im Raum befinden.

Regionale Grünzüge sollen dabei eine weitere Zerstückelung von Grünflächen verhindern. Die Grundlagen für die Entstehung von den Grünzügen wurden von Robert Schmidt in den 20er Jahren geplant und sind ein wichtiger Teil der Versorgung des Ruhrgebiets mit Naherholungsflächen und Frischluftschneisen. In naher Zukunft sollen die bestehenden Grünflächen im Ruhrgebiet weiter ausgebaut werden. Wichtige Projekte dafür sind unter anderem die Internationale Gartenausstellung 2027, der Umbau des Emschersystems und die Reaktivierung von den Revierparks.

Grünflächen hatten also nicht immer den Stellenwert, wie er ihnen heute bemessen wird. Es waren immer wieder auch BürgerInnen und Bürger die sich mit der Bedeutung von Grünflächen auseinandersetzten und diese für ihre Stadt oder Quartier einforderten. Das „Recht auf Stadt“ impliziert eine Mitsprache der BürgerInnen und Bürger an dem Diskurs über die zukünftigen Entwicklungen. Dieses „Recht auf Stadt“ wurde zum erstenmal von Henri Lefebvre in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, in seinem Buch: Le droit à la ville (fanzösisch: Das Recht auf Stadt) skizziert. Zugespitzt beschreibt es wie Menschen durch ihr alltägliches Handeln die Stadt, ihren Lebensraum, wandeln und neuschaffen können. Interpretiert man einen Gemeinschaftsgarten unter diesen Punkten, so kann ein Gemeinschaftsgarten auch eine politische Aussage neben der gestalterischen sein, dass die GärtnerInnen sich am Diskurs über die Gestaltung der Stadt beteiligen wollen.

Einige Impressionen von Grünflächen aus verschiedensten Ländern. Dabei sind die Nutzung nie sehr unterschiedliche sondern zeigen die Bedeutung von Grünflächen insbesondere als Treffpunkt von Menschen:

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